Göttinnen

Schlafende Göttin

Seit Menschengedenken wurde in allen Kulturen die Göttin verehrt als das Unsichtbare hinter den Erscheinungen der Natur. Göttinnen der Erde, der Sonne, des Meeres, des Windes, des Regens waren zuständig für Fruchtbarkeit, Nahrung, Gesundheit und Schutz. Unsere Vorfahren erzählten sich in langen dunklen Nächten und am Lagerfeuer viele Geschichten über ihre Göttinnen und feierten das ganze Jahr hindurch ihnen zu Ehren viele Feste. Göttinnen waren in jedem Alltag gegenwärtig und begleiteten die Menschen in ihrem Tun und Sein. Bis heute überlebten viele von ihnen in den Namen der Heilpflanzen. Wenn wir diesen Namen nachlauschen, finden wir Frau Holle im Holunder, Demeter im Weizen, Venus in der Rose und Artemis im Beifuss.

In diesem Seminar hören Sie viele dieser alten Mythen über Pflanzen und Göttinnen Im Jahreslauf. Und Sie erfahren so manches neue Rezept, wie Sie diese Kräfte in der Gegenwart nutzen können.



Ceres – Mutter des Korns und Göttin der reichhaltigen Ernte

Ceres










Eine Göttin, die kaum einer mehr kennt, deren Namen wir aber trotzdem oft im Mund führen, ist Ceres. Ihre ursprüngliche Bedeutung erschließt sich aus ihrem Namen, der in Wörtern enthalten ist, wie crescere - wachsen und creare – wählen oder cernere – entscheiden. Unser Wort „kreieren“ drückt sehr gut die wesentliche Kraft von Ceres als große Erdmutter aus. Sie ist eine Schöpfungsgöttin von allem Leben auf dieser Erde. Ihr zu Ehren werden Zeremonien abgehalten – zum Beispiel das Erntedankfest. Die Begriffe Zerealie für Getreide und Frühstücksprodukte sowie Cerveza für Bier wurden vom Namen Ceres abgeleitet.

(Collage von Helga Emmering-Christ)

Freyja

Heute noch nennen wir diese große germanische Göttin täglich beim Namen – wenn auch ganz unbewusst und in etwas abgewandelter Form: unsere Anrede Frau leitet sich von Freyja her und bedeutet Herrin, Gebieterin. Sitzen wir Frauen da nicht gleich ein bisschen gerader, aufrechter, selbstbewusster? Und lächeln freudig und gleichberechtigt unserem Herren und Gebieter zu?

Ohne Freyja ging in alten Zeiten gar nichts. Sie war die große Mutter Göttin, auch Großmutter Göttin der Germanen und wurde gebeten um Schutz und Begleitung in allen Lebenslagen.

Skadi – skandinavische Göttin des WintersSkadi

 

Wenn die Schneekönigin ihren Zauber über das Land gelegt hat, erfreuen wir uns am Winter. Skadi heißt die Göttin, die den Ländern im hohen Norden Europas ihren Namen gab. Dort, in Skandinavien, ist sie die Göttin des Schnees, des Eises, der Jagd und auch des Skilaufs. Sie liebt die schneebedeckte Weite, die blitzenden Eiskristalle, die vereisten Berge, die langen Eiszapfen, die zugefrorenen Seen und die schimmernden Sonnenstrahlen, die alles in einen Eispalast verwandeln.

(Collage von Helga Emmering-Christ)

Blodeuweed – walisische Frühlings-, Blüten- und Erdgöttin

Blodeuweed
Aus Bergprimeln, Rose und Dorn -
Aus Nesseln, im Schatten zur Blüte reifend,
Aus Besenginster und Distel -
Aus Frauenmantel bin ich geboren.
Neun Blumen gaben mir neun Kräfte,
Neun Bäume und Kräuter mir die Form,
mein Name ist Blodewedd.
Und Erde und Magie liegen mir im Blut.
(walisischer Gesang an die Blumengöttin)

Blodeuweed bedeutet „aus Blumen geboren“ oder „Blumengesicht“.

Ceridween – keltische Göttin des Todes und der WiedergeburtCerridween

Ceridween ist die Göttin mit dem Kessel. Anders als man zunächst bei diesem hausfraulichen Attribut vermuten könnte, ist sie eine sehr machtvolle Göttin, die hauptsächlich in Wales und Cornwall verehrt wird. Sie tritt meistens in der Gestalt der Weisen Alten, manchmal auch als dreifache Göttin auf. Sie ist die Göttin des Todes und der Wiedergeburt, der Regeneration, der Kräuter, der Astrologie, der Magie und der Weisheit.

Kollage von Helga Emmering-Christ

Ostara – die Göttin des Frühlings und des Ackerbaus

GänseblümchenWoher kommt eigentlich das Wort „Ostern“? Vor langer Zeit war es das Fest der germanischen Göttin Ostara. Das Fest wurde zur Tag- und Nachtgleiche im März gefeiert. Danach sind die Tage wieder länger als die Nächte. Ostara bringt uns die Sonne aus dem Osten – sie bringt uns Licht, Wärme – und Leben. Ostara bedeutet in etwa Zeugung der Erde im Frühling. Sie ist ein Symbol für die Kraft der wieder erwachenden Natur. Mit der Frühlingsgöttin beginnt auch das Wasser in dem aufgetauten Boden wieder zu fließen und verheißt Wachstum und Fruchtbarkeit für die Felder.

 

Mit ihren Schlüsseln, den Schlüsselblumen, öffnet sie dem Frühling das Tor. Die Vögel singen wieder, ihre Eier sind die Quelle allen Lebens und Symbol für neue Lebenskraft. Hasen sind die Lieblingstiere der Göttin, auch sie sind ein Ausbund an Fruchtbarkeit und mit ein bisschen Fantasie zu dieser Jahreszeit sogar in den Flecken des Mondes zu erkennen. Weil dann immer öfter Hasen und Eier im gleichen Atemzug genannt wurden, war es irgendwann der Osterhase, der die Eier brachte.

Holle – große Muttergöttin 

Holle im HolunderNoch heute kennt sie jedes Kind: Frau Holle. Sie hat überlebt - im Märchen. Ursprünglich ist sie eine germanische Erd- und Himmelsgöttin, weise Frau und allgegenwärtige Muttergöttin. Als Himmelskönigin regiert sie über die Elemente, das Wetter, die Jahreszeiten. Die Germanen erzählten sich, dass die Sonne scheint, wenn sie ihr Haar kämmt; die Welt in Nebel gehüllt ist, wenn sie kocht; es regnet, wenn sie ihre Schleier wäscht und Schnee fällt, wenn sie ihre Betten ausschüttelt. Und die Schäfchenwolken, die manchmal am blauen Himmel zu sehen sind, stammen aus ihrer großen Schafherde. Die Menschen verehren gleichzeitig in ihr die Güte der Mutter Erde und das strahlende Licht des Himmels.

Brigid – die keltische Himmelskönigin

Brigid in der BirkeSie hat viele Namen, diese Göttin, und in allen schwingt das Leuchtende, das Helle, das Licht mit. Ihr Name steckt auch im englischen Wort für strahlend, hell = bright.

Brighid, Birgid oder Bridget - all diese Namen bedeuten in etwa leuchtender Pfeil. Und sie klingen mit in den Namen von Bregenz, Brigg und Burgund. Brigid war die mächtigste und beliebteste Göttin der Kelten. Als Muttergöttin war sie Schutzherrin von Vieh und Ernte und hat den Menschen alles beigebracht, was sie zum Leben brauchten. Sie hatte zwei Schwestern, die (für uns erstaunlich) ebenfalls Brigid hießen. Zusammen waren sie ein erstes Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit. Sie wurden die „Drei Mütter“ oder die „Drei gesegneten Herrinnen Britanniens“ genannt.

(Collage von Helga Emmering-Christ)

Amaterasu und Arnika Amaterasu Omikami, die am Himmel Leuchtende, ist die Sonnengöttin der japanischen Shinto-Religion. Sie ist eine schöne, lächelnde Göttin, die mit ihrem inneren Leuchten die Welt erhellt und über sie wacht. Sie ist die Göttin des Ackerbaus, zeigt den Menschen, wie sie Seide anbauen und spinnen können. Und sie beschützt Frauen vor körperlicher Gewalt. Ihr Symbol ist die Seidenraupe, ein achtseitiger Spiegel, der in jedem ihrer Tempel steht sowie die aufgehende Sonne, die man nach wie vor als Zeichen der Göttin auf der japanischen Flagge findet. 

Perchta – Alpenländische Göttin der Raunächte

NacPerchtahts im Wald, es ist kalt. Eine Göttin galoppiert mit einem Tross wilder, unwirklicher Reiter in vollem Tempo vorbei und hinterlässt das Gefühl, gerade noch einmal davongekommen zu sein – die wilde Jagd der Perchta, die Schnee und Wind bringt. Ein archaisches Bild, das nicht mehr viel mit unserem Leben zu tun zu haben scheint, wenn wir mit unseren Autos zum Waldparkplatz fahren. Vielleicht aber doch?
Perchta ist die Göttin der Zwischenräume, der Übergänge vom Alten zum Neuen, der Zeit zwischen den Jahren. Sie kommt in den zwölf Raunächten. Sie ist nicht nett, aber wirkungsvoll.

(Kollage von Helga Emmering-Christ)