Ceridween – keltische Göttin des Todes und der WiedergeburtCerridween

Ceridween ist die Göttin mit dem Kessel. Anders als man zunächst bei diesem hausfraulichen Attribut vermuten könnte, ist sie eine sehr machtvolle Göttin, die hauptsächlich in Wales und Cornwall verehrt wird. Sie tritt meistens in der Gestalt der Weisen Alten, manchmal auch als dreifache Göttin auf. Sie ist die Göttin des Todes und der Wiedergeburt, der Regeneration, der Kräuter, der Astrologie, der Magie und der Weisheit.

Kollage von Helga Emmering-Christ

 

In ihrem großen Kessel brodelt die Ursuppe und muss dauernd gerührt werden. Während sich die Zutaten durch die Hitze vermischen und verwandeln, entstehen beim Rühren neue Gedanken. Der Kessel symbolisiert den Bauch der Göttin, aus dem alles Leben kommt und in den es auch wieder zurückkehrt. Ein Trank aus diesem Kessel heilt Körper, Seele und Geist.

Eine walisische Sage erzählt von Ceridweens Fähigkeiten. Danach hatte sie zwei Kinder, die schönste Tochter der Welt und den hässlichsten Knaben. Sie wollte dafür sorgen, dass der Knabe ebenfalls Anerkennung und Bewunderung im Leben erfuhr: Er sollte weiser werden als alle anderen und als Barde die Menschen erfreuen. 

Ceridween ließ den „Kessel der Inspiration“ mit klarstem Quellwasser und vielen Kräutern füllen und das Feuer schüren. Ein Jahr und einen Tag, also 13 keltische Mondmonate, musste das Gebräu sieden und dabei immer gerührt werden. Das ganze Jahr hindurch, wenn Sterne und Planeten günstig standen, zog die Göttin aus und sammelte Kräuter, Blüten und Wurzeln für Hellsichtigkeit und Inspiration. Zur berechneten Stunde warf sie alles in den magischen Trank und fügte sogar den Schaum der Meereswellen hinzu. Sie holte sich Gwion, einen Jungen aus dem Dorf, der beständig den Trank rühren musste. Sie schärfte ihm ein, dass kein Tropfen daraus verloren gehen dürfe. Als der Trank fast fertig war, spritzten drei Tropfen aus dem Kessel auf Gwions Hand und automatisch leckte er sie ab. Dadurch übertrug sich alle Kraft auf ihn, er wusste in diesem Moment, was geschehen und dass die Göttin ihn töten würde, sobald der Trank fertig wäre. Erschrocken floh er und der Kessel zerbrach. Um der wütenden Cerridween zu entkommen, verwandelte er sich in einen flinken Hasen – diese Fähigkeit hatten ihm die drei Tropfen verliehen – und floh über die Erde. Ceridween verfolgte ihn als Windhund und holte den Hasen fast ein. Gwion aber sprang ins Wasser und wurde zum Fisch; sie nahm die Gestalt eines Otters an. Er erhob sich als Vogel und floh in die Luft, sie ward zum Falken. Er ließ sich auf einen Dreschboden fallen und versteckte sich in einem Getreidekorn, sie wurde zur roten Henne und pickte dieses Korn auf. Davon wurde sie schwanger und gebar nach 9 Monaten einen wunderhübschen Knaben. Dieser Knabe wuchs nach vielen Abenteuern zu dem berühmten Propheten, Magier und Barden Taliesin heran.

 

So wie in dieser Sage ist es die Göttin Ceridween, die uns immer wieder vor neue Aufgaben stellt, bei deren Lösung wir reifen – oft ohne es zu merken. Immer wieder stößt sie den Prozess des Erkennens an, immer wieder müssen wir etwas in uns sterben lassen, um etwas Neues zu erleben. Das ist oft gar nicht einfach, und manchmal fühlen wir uns dabei, als würden wir in diesem Kessel gekocht und wieder neu zusammengesetzt. Am Ende dieses Prozesses allerdings finden wir uns gereift, dem Leben gewachsen und näher bei uns selbst als jemals zuvor. Das ist das Geschenk der weisen Ceridween im November. 

 

Botschaft der Ceridween
Wenn Du gerade an einer Wegkreuzung in Deinem Leben angekommen bist und nicht weißt, wie Du Dich entscheiden sollst, dann komme zu mir. Wir zünden ein Feuer an, stellen einen Topf mit Wasser darauf und gehen Kräuter sammeln. Folge dabei Deiner Intuition und nimm nur die Kräuter, die Dich „angucken“. Nimm von jeder Pflanze einen kleinen Teil, auch ein Stückchen vom Holz der Erle, und lasse sie zusammen mit Deinen Sorgen in diesem Topf brutzeln. Wir setzen uns dazu, lauschen dem Feuer und rühren unser Gebräu um. Langsam und stetig. In diesem Rühren, in diesem nie enden wollenden Wirbel, wird alles vermischt. Das Alte löst sich auf, das Neue entsteht. Rühre und spüre, rühre und spüre -  die Ruhe, die Stille, das Alte, das Neue und die ewige Wiederkehr. Hast Du schon einmal daran gedacht, dass es keine falsche Entscheidung gibt? Dass alles im Leben nur dazu dient, Erfahrungen zu sammeln? In jedem Moment Deines Lebens kannst Du Dich immer wieder neu entscheiden. Alles, was Du dazu brauchst, ist Mut. Mut, das aufzugeben, was nicht zu Dir gehört (wirf es in diesen Topf) um endlich das zu leben, wovon Du schon immer geträumt hast. Drei Tropfen von unserem Zaubertrank genügen.