Ceres – Mutter des Korns und Göttin der reichhaltigen Ernte

Ceres










Eine Göttin, die kaum einer mehr kennt, deren Namen wir aber trotzdem oft im Mund führen, ist Ceres. Ihre ursprüngliche Bedeutung erschließt sich aus ihrem Namen, der in Wörtern enthalten ist, wie crescere - wachsen und creare – wählen oder cernere – entscheiden. Unser Wort „kreieren“ drückt sehr gut die wesentliche Kraft von Ceres als große Erdmutter aus. Sie ist eine Schöpfungsgöttin von allem Leben auf dieser Erde. Ihr zu Ehren werden Zeremonien abgehalten – zum Beispiel das Erntedankfest. Die Begriffe Zerealie für Getreide und Frühstücksprodukte sowie Cerveza für Bier wurden vom Namen Ceres abgeleitet.

(Collage von Helga Emmering-Christ)

 

Wer steckt hinter dieser unbekannten Göttin? Im römischen Kulturkreis war Ceres eine der alten Muttergöttinnen und damit die Verkörperung der Mutter Erde. Sie lehrte die Menschen die Kunst des Ackerbaus. Ihr heiliges Tier ist das Schwein, es wühlt den Erdboden auf, so dass die Menschen die Samen dort hinein säen konnten. Unter Ceres Obhut wuchs und gedieh alles, besonders das Getreide. Deswegen wird sie meist mit einer Krone aus Ähren von Weizen oder Gerste dargestellt. Ihre weizenblonden Haare sind manchmal zu langen Zöpfen geflochten, manchmal trägt sie ein Füllhorn, aus dem die Früchte des Herbstes üppig quellen.  

Zu erkennen ist die Göttin oft auch an einer Mohnkapsel, die sie als Symbol für Fruchtbarkeit mit sich trägt. Ceres kannte sich gut mit Heilkräutern und ihrer Zubereitung aus. Und sie wusste um die Kraft der Liebe, die alles heilen lässt.

Sie war ebenfalls die Göttin der Ehe und wachte über die Rechte der Ehefrauen. Wollte sich ein Mann scheiden lassen, so musste er sowohl seiner Frau als auch der Göttin einen Teil seines Vermögens überlassen.

Ihre griechische Schwester ist Demeter, die ebenfalls Mutter des Korns genannt wurde. Von beiden Göttinnen gibt es sehr ähnliche Mythen.
So wie die Tochter von Demeter entführt wurde, so raubte Pluto, Gott der Unterwelt, auch Ceres´ Tochter Proserpina. Als diese  mit ihren Freundinnen Blumen pflückte, tat sich ein Riss im Boden auf und Pluto zog sie zu sich hinab. Mit seinen dunklen Rossen brachte er sie in sein Reich und machte sie zu seiner Königin. Ceres aber wusste nicht, wo ihre Tochter geblieben war. Sie suchte sie in allen Ländern und auf allen Meeren der Erde und konnte sie nirgends finden. Die Muttergöttin versank in Trauer, schickte Naturkatastrophen, zog die gesamte Lebenskraft von der Erde zurück, ließ die Ernte verderben, Unfruchtbarkeit und Leid waren die Folgen.
Nichts konnte Ceres trösten, bis schließlich Jupiter sein Einverständnis gab, Proserpina zu befreien. In der Zwischenzeit aber hatte Pluto ihr wohlweislich Kerne des Granatapfels zu essen gegeben – die Speise der Toten. Bisher war noch niemand, der sie einmal gegessen hatte, zu den Lebenden zurückgekehrt. Pluto willigte ein, dass Proserpina die Hälfte des Jahres bei ihrer Mutter sein konnte und anschließend sechs Monate mit Pluto in der Unterwelt herrschte. Daraufhin „drückte sich Ceres ihren Ährenkranz ins Haar und auf der Flur, die brach gelegen hatte, spross eine reiche Ernte und die Scheuern fassten kaum den eingebrachten Segen.“ – so schilderte Ovid im 1. Jahrhundert n. Chr. die Ereignisse.

Mit dieser Geschichte erklärten die Römer auch den Wechsel der Jahreszeiten.

 

Botschaft der Ceres

Als Mutter der Erde lasse ich die Pflanzen blühen, wachsen, reifen, welken, absterben und nach einer Ruhepause wieder zu neuem Leben erwachen. Wie sehr auch die Natur diese Ruhepause braucht, habe ich erst gemerkt, als sie meine Tochter entführt haben. Sie verschwand in der Unterwelt und ich trauerte so sehr, bis nichts mehr wuchs und blühte. Mit ihr waren alles Lachen und alles Leben aus mir verschwunden. Erst als ich lernte, dass auch das Dunkle zum Leben gehört und selbst Göttinnen sich mit den Schatten auseinandersetzen müssen, wurde ich mit ihrer Rückkehr beschenkt. Seitdem arbeiten wir zusammen am ewigen Kreislauf von Sommer und Winter, von Freude und Tränen, von Werden und Vergehen. Das ganze Jahr über schmücke ich mich gerne mit Samen, denn in ihnen ist das ganze Wissen um den Lauf des Lebens enthalten. Besonders liebe ich den Mohn, dessen zahlreiche Samen zahlreiche Freuden verbreiten.