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Kümmel – Carum carvi – Arzneipflanze des Jahres 2016
Brotkümmel, Wiesenkümmel

Wiesenkümmel

Kümmel sorgt für einen gesunden Darm – und ein gesunder Darm sorgt für einen gesunden Menschen. In längst vergangenen Tagen war Kümmel ein geschätztes Gewürz, mit dem die Gastgeber ihre Gäste üppig bewirteten und ihnen so die Wertschätzung erwiesen. Ging jemand zu sparsam mit Kümmel um, war er ein „Kümmelspalter“ – ein Geizkragen.

Wer heute wieder mehr Kümmel in seinen Speiseplan einbaut, sorgt für mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Vitalität. Der positive Einfluss auf unsere Verdauung ist wissenschaftlich genauestens belegt und trug dazu bei, dass Kümmel zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gewählt wurde.

 

 

Kümmel wächst wild auf feuchten Wiesen, Weiden und an Wegrändern – und kann natürlich auch im Garten ausgesät werden. (Beim Aussäen des Kümmels sollte man kräftig schimpfen, das regt ihn zum Keimen an, denn er will Böses vertreiben. Angeblich keimt er auch schneller, wenn er von einem echten „Spitzbuben“ gesät wird J.)

Kümmelkreuz


Kümmel ist zweijährig, wird im zweiten Jahr bis zu 1m hoch und blüht von Mai bis Juli. Die jungen Blätter der einjährigen Kümmelpflanze schmecken gut im Salat oder in der Suppe. Kümmelwurzeln, im ersten Vegetationsjahr so wie Karotten geerntet, verleihen der Frühlingssuppe eine ganz besondere Note. Kümmelfrüchte zeigen an der braunen Farbe, dass sie reif sind und geerntet werden können. Dann schneidet man die Dolden ab und hängt sie Nachreifen an einen luftigen, schattigen Platz. Sobald die Früchte trocken sind, werden sie von den Dolden abgerebbelt und in Säckchen oder Dosen aufbewahrt. Die Früchte des Kümmels zerfallen in reifem Zustand in zwei Teilfrüchte, die sichelförmig gekrümmt sind und 5 Rippen haben. Sie würzen Kohlgerichte, Sauerkraut, Brote, Zwiebelkuchen, Bratkartoffeln…

 


Kümmel - eines der ältesten Gewürze der Welt

Die Menschen haben schon in der Jungsteinzeit den Wiesenkümmel genutzt – Funde aus Pfahlbauten belegen das. Später, im Mittelalter war es üblich, nach großen Festessen „Kümmel in Zucker“ als Abschluss zu reichen – damit die Blähungen nicht zu heftig wurden. Das war gar nicht so dumm, denn alle Gerichte werden durch Kümmel leichter verdaulich und bekömmlicher. Wen die Kümmelkörnchen beim Kauen stören, der kann schon beim Kochen ein Kräutersäckchen in das Kraut (oder anderes Gericht) hineinlegen, mitkochen und vor dem Essen wieder herausnehmen.

 

Gewürz und Heilmittel

Kümmel ist mit Abstand das beste pflanzliche Mittel gegen Blähungenund Magen-Darmkrämpfe.

  • Er beruhigt den gereizten oder nervösen Magen, hilft die Nahrung besser zu verdauen und verhindert Völlegefühl und Blähungen.
  • Bei Reizdarmsyndrom, Darmpilzen oder nach Antibiotikagabe baut Kümmel mit seiner antimikrobiellen Wirkung die gesunde Darmflora wieder auf und unterstützt die positiven Darmbakterien (z.B. Bifidobakterien).
  • Überall entfaltet sein ätherisches Öl antibakterielle Eigenschaften.
  • Außerdem hilft Kümmel beim Roemheld-Syndrom - das sind Herzschmerzen als Folge einer unzulänglichen Verdauung. Das Herz ist völlig gesund, aber es schmerzt, weil ihm zu „eng“ wird. Durch Blähungen und unvollständig verdaute Nahrung füllt Luft den gesamten Bauchraum und drückt das Zwerchfell nach oben. Damit hat das Herz nicht mehr genug Platz und macht sich durch Schmerzen bemerkbar. Wenn die Verdauung verbessert und die Blähungen beseitigt werden, verschwindet auch der Schmerz des Herzens. Wichtig ist es hier, die Ursache für die Blähungen zu finden.  
  • Bei Hildegard von Bingen finden wir den Kümmel in einem Rezept gegen dieses „Herzweh": dazu sollen 6 Teile Kümmel und 2 Teile Pfeffer mit 1Teil Bockshornklee pulverisiert und gemischt werden. Sie schrieb: „Kaue es mit etwas Brot nüchtern und nach dem Frühstück, bevor du am Herzen die Schwäche merkst oder den ersten Schmerz empfindest.“

 

Kümmel

  • löst Krämpfe im Magen-Darm-Trakt und auch in der Lunge. Asthmatiker sollten ihre Mahlzeiten öfter mit Kümmel würzen.
  • hilft bei Kopfschmerz und Migräne (als warme Kopfwickel mit Kümmeltee),
  • erleichtert Säuglingen das Verdauen der Milch (1TL Kümmeltee ins Fläschchen geben)
  • fördert in der Stillzeit die Bildung der Muttermilch.
  • ist ein altes und bewährtes Hausmittel für junge Mädchen mit schmerzhafter Periode (als Kümmeltee).

 Wiesenkümmel

„Wer Kümmel isst, bekommt keinen Schlaganfall“ hieß es im Sudetenland.

 

Die Rezepte

Der wichtigste Inhaltsstoff des Kümmelsamens ist das ätherische Öl (davon 60% Carvon). Das ist verantwortlich für den typischen Geruch und den unverkennbaren Geschmack – und natürlich für die Wirkung. Außerdem sind enthalten Flavonoide, fettes Öl und Eiweiß.

 

Kümmeltee

Bevor Sie einen Tee daraus bereiten, zerquetschen Sie den Kümmel im Mörser oder zerkleinern ihn in einer Pfeffermühle. So kann das Wasser besser die Inhaltsstoffe heraus lösen. Übergießen Sie 1 Teelöffel voll mit 250ml heißem Wasser und lassen zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen. Der Tee darf nicht kochen, da sonst die ätherischen Öle entweichen. Er unterstützt die Verdauung besonders gut, wenn er warm und schluckweise nach der Mahlzeit getrunken wird.

 

Eine Mischung aus Kümmel, Pfefferminze und Kamille ist eine Wohltat für den gesamten Verdauungstrakt: Kümmel entbläht und beruhigt den Darm, Pfefferminze löst die Krämpfe, lindert den Schmerz und Kamille wirkt leicht antibakteriell. 

 

Kümmelöl

Für eine entspannende und blähungstreibende Bauchmassage bei Säuglingen, Kindern und Senioren ist das Kümmelöl sehr hilfreich. Weil das ätherische Öl aus den Früchten zu konzentriert für den direkten Hautkontakt ist, wird es mit Olivenöl verdünnt. Dazu mischen Sie 5 ml ätherisches Kümmelöl mit 15ml Olivenöl in einer kleinen Arzneiflasche mit Pipette und schütteln sanft um, damit sich beide Öle gut vermischen. Von diesem Öl reichen 20 - 40 Tropfen für eine Bauchmassage. Wenn die Bauchhaut zu trocken ist, nehmen Sie einfach ein bisschen mehr Olivenöl. Sparen sie den Bauchnabel aus (der ist oft sehr empfindlich) und massieren sanft im Verlauf des Dickdarms – im Uhrzeigersinn – um den Bauchnabel herum.

Das ist für Säuglinge und kleine Kinder mit Blähungen genauso angenehm und erfolgreich wie für ältere Menschen mit Verdauungsstörungen.

 

Kümmelwein – verbessert die Nierentätigkeit und hilft bei Hämorrhoiden 

50g Kümmel zermörsern, in 500 ml Weißwein bis kurz vorm Sieden langsam erhitzen, absieben und in eine Flasche füllen. Täglich 1 Gläschen davon trinken, am besten warm.

 

Wiesenkümmel KüKaLeiWa

Dies ist ein basischer Trank zum Entsäuern des Körpers (z.B. während einer Fastenkur) oder bei Sodbrennen.

Waschen Sie 1 mittelgroße Kartoffel, schneiden sie mit der Schale in kleine Stücke und geben sie in einen Kochtopf mit 1 Liter kaltem Wasser. Geben Sie 1 TL Kümmel und 1 TL Leinsamen hinzu und lassen alles 20 Minuten mit geschlossenem Deckel vor sich hin sieden. Geben Sie alles durch ein Sieb, lassen es auf Trinktemperatur abkühlen und trinken den Sud schluckweise über den Tag verteilt.